Wanderreiten und Biwakritte
Im Westernsattel querfeldein auf Tour durch Wittgenstein
Susanne Strackbein bietet auch Biwakritte und Wochenende auf dem Pferderücken an
Diedenshausen. (us) Das Glück dieser Erde liegt für Susanne Strackbein bereits seit elf Jahren auf dem Rücken der Pferde. Ihr Hobby möchte die junge Wemlighäuserin mit dem "Westernstall Diedenshausen" zum Beruf machen.
Den Entschluss fasste die 21-jährige Landwirtin nach ihrem sechsmonatigen Australienaufenthalt im vergangenen Jahr, bei dem sie fast ausschließlich auf und mit Pferden gearbeitet hat. "Mit dem Zusammentreiben von Kuhherden werde ich in Wittgenstein wahrscheinlich weniger zu tun haben", lacht die sympathische Wittgensteinerin, die auf jeden Fall weiterhin "etwas mit Pferden machen" wollte.
Eigentlich wegen eines Praktikums in Sachen Wanderreiten hatte Susanne Strackbein Wolfgang Arndt in Arnsberg angesprochen, doch er machte ihr, weil sein Pachtvertrag gerade auslief, das Angebot, seine Pferde und die Ausrüstung zu übernehmen. Da Arndt inzwischen nach Diedenshausen gezogen ist, steht er weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.
Der Stall, in der Ortsmitte an der Straße "Zum Heiligenholz" gelegen, und ein dazugehöriges 15 Hektar großes Gelände, auf dem bisher Rinder geweidet haben, gehörten bereits der Familie. "Ohne meine Eltern ginge das Ganze sowieso nicht. Wenn ich irgendwo Pacht bezahlen müsste, sähe die Sache ganz anders aus."
Zu den beiden eigenen Pferden hat sie vier übernommen, (u.a. Quarter-Horse, Haflinger), insgesamt fünf werden zum Wanderreiten eingesetzt. "Wichtig ist mir dabei die Offenstallhaltung", bei der die Tiere wie in der Natur als Herde leben und dauerhaften Kontakt zu den Artgenossen haben. "Wenn man als Gruppe ausreitet, müssen sich die Pferde vertragen."
Untergebracht sind seit der Eröffnung inzwischen auch sechs Pensionspferde im Westernstall. Zwei Stallmädchen helfen nachmittags bei der Pferdepflege. Arbei gibt es immer. Auch Mähen, Mulchen, Wiesen abschleppen, Heu machen gehört dazu. Halbtags ist "Enes Susi" auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern, Heiner und Karin Strackbein, angestellt, dadurch gestalten sich ihre Arbeitszeiten relativ flexibel.
Genauso offen ist sie, was Länge und Ziel der Ausritte betrifft. Am Start zu einer Tour stehen grundsätzlich: Pferde putzen, kurzer Proberitt, Einführung sowie gegenseitiges Kennenlernen von Tier und Mensch. Die 8 bis 16 Jahre alten Warmblüter sind erfahren, sicher, geländefest und verfügen über Ausdauer und Trittfestigkeit, denn "oftmals geht es querfeldein durch Bäche". Es dürfen auch geeignete Pferde mitgebracht werden.
"Das hier ist genau mein Ding." (Susanne Strackbein)
"Wem ein, zwei oder drei Stunden auf dem Pferderücken zu wenig sind, kann bei einem Tagesritt bis zu fünf Stunden im Sattel verbringen", informiert die Wanderreiterin. Oder beispielsweise an einem der Wochenendritte teilnehmen, die jeden 2. und 4. Samstag im Monat stattfinden. Dabei wird die Landschaft rund um Diedenshausen erkundet und in einer Pension übernachtet.
Notwendig ist in jedem Fall ein Westernsattel, der insgesamt länger sei und das Gewicht besser auf dem Pferderücken verteilt. "Das Körpergewicht des Reiters sollte 90 Kilogramm nicht überschreiten." Verpflegung und Regenkleidung führt jeder reiter selbst in Sattel- und Horntaschen mit. Bei längeren Touren können bis zu 20 Kilogramm Gepäck dazukommen.
Der Rittführer hat neben Notbeschlagzeug, Kompass und Karte, auch Erste-Hilfe-Set und Handy dabei. Beim mehrtägigen Biwakritt, der für Juni vorgesehen ist und bei dem unter freiem Himmel, in Zelten oder Hütten campiert wird, kommen auch spezielle Packpferde zum Einsatz oder ein Trossfahrzeug mit Futter, Zaun und Ersatzsattel.
Nach einigen Ausritten im Schnee und einer Aktion am 1. Mai möchte Susanne Strackbein an Himmelfahrt die diesjährige Wanderreitsaison mit einem viertägigen Sternenritt eröffnen. Außerdem gibt sie bereits Übungsstunden im Western-Reit-Stil, wo auch Personen ohne bzw. mit wenig Reiterfahrung willkommen sind: "Wir beginnen an der Longe ohne Sattel."
Die junge Geschäftsfrau hat in Zukunft noch viel vor auf ihrer Ranch. Sie will sich in Kürze bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zum Berittführer ausbilden lassen, außerdem sind ein Reitplatz sowie ein Aufenthaltsraum geplant. "Ich muss zwar hart arbeiten, aber das hier ist genau mein Ding", strahlt die Pferdeliebhaberin.
Susanne Strackbein
Mobil (01 60) 92 64 18 20
eMail info (at) wanderreiten.diedenshausen.de
Internet www.wanderreiten.diedenshausen.de
HINTERGRUND
Als Wanderreiten bezeichnet man ein- bis mehrtägige Wanderungen zu Pferd. Im Mittelpunkt stehen dabei das Naturerlebnis, die langsame, ursprüngliche und umweltfreundliche Art des Reisens, das bessere Kennenlernen sowohl der Landschaft, als auch des Pferdes, mit dem man den ganzen Tag zusammen ist und von dessen Wohlergehen das Ankommen am Ziel entscheidend abhängt. Wanderreiten gilt als die älteste Form der Nutzung des Pferdes durch den Menschen. Es setzt ein ausgebildetes, gehorsames und verkehrssicheres Pferd voraus. Geschlafen wird unter freiem Himmel, beim Bauern, in Zelten oder auf Pferdehöfen, die Übernachtungsmöglichkeit für Pferd und Reiter bieten.
Die Zahl der Freizeitreiter und Urlaubsaussteiger, die das Wanderreiten für sich entdecken, steigt. Einigen bietet es die stressfreie Alternative zum Reitsport, anderen eine neue Kultur des Reisens. Für alle geht es um das Loslassen vom üblichen Alltags-, Freizeit- und Urlaubsstress, um ein "zurück zur Natur", um die "Entdeckung der Langsamkeit" als Quelle unerschöpflicher (Selbst-) Erfahrungsmöglichkeiten.
Von Ute Schlapbach
WESTFALENPOST (14.05.2009)
Bildquelle: WP-Fotos (6) von Ute Schlapbach (us)






